"Soll ich ...?..oder lieber nicht?"

Ich bin unser kleinstes Mitglied in unserer kleinen Gesellschaft. Das liegt nicht an meiner für Mitteleuropeer durchaus normalen Körpergröße, sondern an meinem Gefährt mit dem Namen UWe . Es hat den kleinsten Hubraum mit offiziell 125 cm². Das ist notwendig, weil ich es leider versäumt habe meinen Führerschein der Klasse 1 zu machen. Aus der guten alten Mopedzeit hatte ich aber noch den Schein der Klasse 1b, der mir bis vor kurzem nur ein Bike mit spärlichen 80 cm2 zugestanden hätte. Doch Dank der vielfach nicht so geliebten europäischen Einigung kann ich heute eine 125iger fahren ... für irgendetwas muss Europa ja gut sein :-) ...

Nachdem Daniel und Göran im Frühjahr 2001 ihre Motorräder angeschafft hatten und ich ihren blauen Abgasfahnen hinterher schauen musste, kam Daniel auf die Idee mir sein alte 125 zu verkaufen. Erst war ich ein wenig skeptisch ob ich mich für sie entscheiden sollte. Doch nach eindringlichem zureden durch Goeran und Daniel und deren Versprechen mir bei technischen Fragen zur Seite zu stehen entschied ich mich für den Kauf.

Als wir in Daniels Vaters Garage angekommen waren und die Familienkutsche herausgefahren haben, sah ich meine TS das erste mal. Sie sah etwas runtergekommen aus, durch die lange Zeit die sie nutzlos in der Garage gestanden hat. Die Reifen waren platt und eine dicke Staubschicht überdeckte das ganze Motorrad. Doch irgendwie so kann man es wohl sagen, habe ich mich gleich in sie verliebt. Wir schafften sie aus der Garage und hatten gerade noch zwei Stunden Zeit um sie notdürftig fahrtüchtig zu machen. Das bedeutete den Wechsel des Hinterrades und das zum laufen bringen des Motors. Ehrlich gesagt habe ich nicht daran geglaubt, dass sie an dem Tage noch einen Mucks von sich geben würde.

Nach dem schweißtreibenden Wechsel des Hinterradreifens und der Reinigung der Elektrik wurde es nun langsam knapp. Es wurde dunkel. Doch Daniel wollte es sich nicht nehmen lassen das Gerät noch an diesem Abend zum laufen zu bringen. Er schob sie einen kleinen Gartenweg herunter und oh Wunder nachdem er in der Dämmerung Anschiebenderweise verschwunden war hörte man in einiger Entfernung das deutliche und helle "RängDängDäng" des laufenden TS - Motors. Kurze Zeit später tauchte ein fahler Lichtschein im Dunkeln auf und Daniel kam stolz mit der fürchterlich qualmenden TS angefahren. Das abgestandene Benzin stank als ob ein ganzes Kerosinlager brennen würde. Ein Wunder das sie mit dieser Suppe überhaupt noch lief. Zwischendurch hatte Marc noch fünf Liter Benzin von der Tanke geholt und ich konnte sie nach Hause fahren. Einen Tag später und nach einem Besuch in Daniels Ersatzteillager war ich nun Besitzer dieser MZ. Auf meinem Hinterhof wurden nun noch sämtliche anfallende Arbeiten die zur TÜV- Abnahme notwendig waren durchgeführt. Die originalen Schutzbleche wurden montiert Gummiteile und Luftfilter ausgetauscht und zum Schluss der Tank, Benzinhahn und Vergaser gereinigt.

Ein paar Tage später stand die erste Ausfahrt an, und ich musste mich beeilen, dass ich sie noch zugelassen bekommen. Am meisten Schweiß auf die Stirn trieb mir das anstehende TÜV- Gutachten für den neuen Fahrzeugbrief. Einen Tag vor der Abfahrt hatte ich den TÜV- Termin. Daniel lief ständig um die Maschine und kontrollierte mit Argusaugen ob alles in Ordnung ist. Doch nach einer Dreiviertelstunde mit etlichen Tassen Kaffee vom TÜV war es geschafft. Prüfung ohne Mängel bestanden stand auf dem Protokoll. Doch mit der Zulassung an diesem Tage wurde es nichts mehr. Ich hatte nicht daran gedacht, dass ich ja in Parchim gemeldet bin und deshalb dort mein Motorrad anmelden musste. Es war schon 16 Uhr und das Amt hätte noch 30 Minuten auf gehabt. Das war von Schwerin aus nicht zu schaffen.

Tags darauf, Motorräder schwer beladen, ging es mit Marc, Goeran , Daniel und mir in Richtung Brandenburg los mit Streckeziel Parchim zum Anmelden des Motorrades. In Parchim angekommen ging es rein ins Amt zur Anmeldung und später zur netten Dame vom Schilderdienst und schon hatte mein Motorrad seine Taufe hinter sich. Das Kennzeichen sorgte für den Namen UWe.

Die Taufe von UWe ... sorry ... von mir sollte Abends nach Ankunft bei Marcs Verwandten bei Kyritz mit einem kühlen Bier stattfinden. Ich hatte die ersten 100 km ohne Mängel zurückgelegt.



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